Die Markt- und Sozialforschung in Deutschland befindet sich weiterhin in einer Phase der Anpassung. Die aktuelle Konjunkturumfrage des ADM Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e. V. zeigt eine leichte Stabilisierung der Geschäftslage der Mitgliedsinstitute gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig bleiben die Rahmenbedingungen herausfordernd. Angesichts der anhaltend schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, geopolitischer Unsicherheiten sowie einer spürbaren Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen sehen die Institute weiterhin strukturelle Herausforderungen für die Branche.
Rund 72 Prozent der befragten ADM-Institute bewerten ihre Auftragslage im ersten Halbjahr 2026 als gut oder sehr gut. Damit liegt die Einschätzung zwar in etwa auf dem Wert von Anfang 2026 (74 %) und über dem Vorjahreswert des ersten Halbjahres 2025 (65 %), erreicht jedoch nicht das Niveau früherer Jahre. Im ersten Halbjahr 2024 bewerteten noch rund 80 Prozent der Institute ihre Auftragslage positiv, im zweiten Halbjahr 2023 waren es sogar 87 Prozent. Die aktuelle Entwicklung zeigt damit vor allem eine Stabilisierung nach der deutlichen Eintrübung im Jahr 2025.
Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 berichten 28 Prozent der Institute für das erste Halbjahr 2026 eine Verbesserung ihrer Auftragslage, 46 Prozent eine unveränderte Entwicklung und 26 Prozent eine Verschlechterung. Die Dynamik hat sich damit gegenüber Ende 2025 deutlich abgeschwächt: Zu Jahresbeginn 2026 hatten noch 44 Prozent der Institute eine Verbesserung gegenüber dem vorherigen Halbjahr berichtet.
Auch der Ausblick auf das zweite Halbjahr 2026 bleibt vorsichtig. Ein Drittel der Institute erwartet eine Verbesserung der Auftragslage, 48 Prozent rechnen mit einer stabilen Entwicklung. Gleichzeitig geht weiterhin fast jedes fünfte Institut von einer Verschlechterung aus. Die Erwartungen liegen damit zwar über dem schwachen Niveau von Anfang 2025, signalisieren aber keine Rückkehr zu einem dynamischen Wachstum.
Auch die Umsatzentwicklung des eigenen Unternehmens wird zurückhaltender eingeschätzt als noch vor einem halben Jahr. So erwarten 35 Prozent der Institute einen höheren Umsatz als im Vorjahr (Anfang 2026: 41 %), 44 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung (Anfang 2026: 44 %) und 20 Prozent mit einem Rückgang (Anfang 2026: 15 %).
Deutlich wird die anhaltende Unsicherheit auch bei der Personalentwicklung. Zwar planen mehr als die Hälfte der Institute, die Beschäftigtenzahl konstant zu halten und 15 Prozent wollen sogar Personal aufbauen, allerdings rechnen knapp 30 Prozent mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl. Damit setzt sich die bereits 2025 zu beobachtende vorsichtige Personalpolitik fort, die weiterhin deutlich unter dem Niveau der Jahre 2023 und 2024 liegt.
Entsprechend entwickelt sich der Arbeitsmarkt der Branche zurückhaltend. Während in früheren Jahren ein großer Teil der Institute offene Stellen ausgeschrieben hatte (2025: 55 %, 2024: 84 %, 2023: 68 %), lag dieser Anteil jetzt bei 46 Prozent. Diese Positionen konnten zu rund drei Vierteln besetzt werden. Qualifizierte Fachkräfte sind weiterhin gefragt, es werden aber kaum neue Kapazitäten aufgebaut.
„Die aktuelle Konjunkturumfrage zeigt, dass sich die Branche nach den schwierigen Entwicklungen des vergangenen Jahres zunehmend stabilisiert. Von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Die Unternehmen stehen weiterhin vor erheblichen Herausforderungen: Eine verhaltene Nachfrageentwicklung, wirtschaftliche Unsicherheiten und strukturelle Veränderungen durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz erfordern Anpassungsfähigkeit und Innovation. Gleichzeitig bleibt die Bedeutung belastbarer Daten und wissenschaftlich fundierter Forschung für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ungebrochen“, erklärt Bernd Wachter, Vorstandsvorsitzender des ADM.
Untersuchungssteckbrief zur aktuellen Konjunktur der Markt-, Meinungs- und Sozialforschung erstes Halbjahr 2026:
Auswahlgrundlage: 78 ADM-Mitgliedsunternehmen
Fallzahl: n = 54
Erhebungszeitraum: 3. bis 22. Juli 2026
Erhebungsmethode: Onlinebefragung
Die Befragungen zur Konjunktur finden halbjährlich unter den ADM-Mitgliedsinstituten statt. Zahlen der aktuellen und der vergangenen Konjunkturumfragen finden Sie unter diesem Link.

